Eine der Charakteristiken der Vicopisano Gemeinde ist, dass sie trotz ihrer begrenzten Ausdehnung zahlreiche Vororte einschließt (San Giovanni alla Vena, Uliveto, Lugnano, Caprona und Cucigliana und die Siedlungen von Cevoli, Guerrazzi und Noce). Dies steht im Kontrast zu den nahstehenden Gemeinden, die höchstens aus zwei bis drei Vororten bestehen.

Die andere Eigenartigkeit ist, dass diese „Vororte“ nicht bloß aus einer Verwaltungseinteilung entstehen, sondern Realitäten bilden, die trotz ihrer begrenzten Ausdehnung eine starke Individualität aufweisen, die sich gut im traditionellen toskanischen „campanilismo“ (eine Art „Lokalpatriotismus“) widerspiegelt.
Die Gründe dieser starken Bindung sind in der Geschichte zu finden, die im Laufe der Jahrhunderte diese Orte gekennzeichnet hat: jedes von ihnen hatte eine eigene spezifische Tätigkeit, eigene kommerzielle Absatzmärkte und also auch differenzierte Interessen, woraus sich ein Bewusstsein von starker Zugehörigkeit zur eigenen Gemeinschaft entwickelt hat. In einer Epoche, in der sich alles nach Homologie und Gleichheit mit einer starken Neigung zur Verflachung richtet, können diese Vielfältigkeit und Differenzierung nur mit Interesse betrachtet werden, ist man sich dessen bewusst, dass die Unterschiede eine Bereicherung und nicht einen Grund des Konflikts darstellen.
 
Wir werden hier diese Vororte etwas näher betrachten und die Geschichte und den kulturellen Schatz von jedem von ihnen darstellen. Im allgemeinen können wir sagen, dass sich alle Vororte der Vicopisano Gemeinde der Via Vicarese entlang, zwischen dem Arno und dem Abhang des Pisaner Bergs befinden, in einer Landschaft, die wenig geeignet für die extensive Bewirtschaftung war, die im Gegenteil in den unmittelbaren Umgebungen von Vicopisano betrieben wurde. Dieser Umstand hat zweifelsohne die Entwicklung dieser Dörfer stark beeinflusst, die dazu gezwungen waren, die Landwirtschaft zu vernachlässigen, um sich anderen Tätigkeiten zu widmen: der Keramik (San Giovanni und Cucigliana), dem Kalkbruch (Uliveto und Caprona und später auch San Giovanni), dem Flusstransport vonseiten der Flusskahnfahrer (er wurde von allen Dörfern betrieben).
 
Die Ortsnamen sowie auch einige archäologische Entdeckungen zeigen eindeutig die römische Herkunft der meisten Siedlungen: Cucigliana, Lugnano und Caprona waren mit höchster Wahrscheinlichkeit Sitz von Landhäusern in der römischen Zeit. Zieht man die besondere Morphologie des Gebietes und das Vorhandensein eines wichtigen Flusswegs in Betracht, muss man jedoch annehmen, dass das Gebiet schon in früheren Zeitepochen bewohnt war (diese Annahme wird von den neuen Entdeckungen von archaischem etruskischem Material auf den Erhöhungen unterstützt, die auf den Arno schauen).
 
Alle Einsiedlungen, die sich dem Berg entlang befinden (Vicopisano eingeschlossen) gewonnen im Mittelalter an besonderer Bedeutung für das politische und wirtschaftliche Leben von Pisa: sie waren militärische Stützpunkte des Gebietes und Zentren des Grundeigentums für einige der wichtigsten Familien des pisaner Adels. Nach der florentinischen Eroberung fiel das strategische militärische Interesse für das Gebiet, desto trotz hörten wichtige Familien nicht auf, in dieses fruchtbare und zu differenzierter Bewirtschaftung geeignete Land zu investieren. 
Ab dem sechszehnten Jahrhundert wählten vermögende Familien diese schönen Orte als Sitz ihrer reichen Landhäuser, die heute im ganzen Gebiet der Vicopisano Gemeinde noch bestehen.